Maristische Werte in Masonga

Maristische Werte

Einfachheit & Liebe zur Arbeit
Die Kommunikation mit den Brüdern und der Brüder untereinander war stets ehrlich, auf­richtig und direkt. Dadurch gab es nur selten Komplikationen und wenn es dennoch welche gab, konnten sie genau deshalb schnell und einfach aus dem Weg geräumt werden. Genauso allgemein lässt sich das allerdings nicht über die Lebensweise und Arbeitsmoral der Brüder sagen. Einerseits durfte ich viele Brüder kennenlernen, die voll in ihrer Arbeit aufgehen, die ihren Arbeitern großen Respekt entgegenbringen. Egal ob es sich um adminis­trative Aufgaben, Unterricht, körperliche oder handwerkliche Arbeit handelt, sie sind sehr ausdauernd und haben auch die Kraft selbst nach mehreren Fehlschlägen es nochmals zu versuchen. Auch ihre Lebensweise ist einfach und bodenständig und es gibt nur selten etwas zu beklagen. Anderseits gibt es auch Brüder, die ihr Mindestmaß an Arbeit verrich­ten und die restliche Zeit vor allem mit sich selbst beschäftigt verbringen und eine eitle Le­bensweise an den Tag legen, da wie es von diesen heißt; man das Leben lebt, um es zu ge­nießen. Deshalb kommt es für sie auch nicht in Frage, etwas aus Eigeninitiative zu tun oder jemandem zu helfen. Sie sich nur als Lehrer und lehnen folglich andere Arbeiten in der Kommunität, wie einen eigenen Garten be­wirtschaften, sich um Tiere kümmern oder Geschirr spülen, ab. Dafür gibt es Arbeiter.

Präsenz & Familiensinn
Die Präsenz und der Familiensinn der Brüder lässt sich nur schwer verallgemeinern, da jeder Bruder hierfür einen eignen Maßstab hat. Man kann die Brüder vielleicht in folgende der Gruppen unterteilen:
1. Es gibt Brüder, die nur für ihre Mit­brüder präsent sind, d. h. nur diese werden respektiert und wertgeschätzt und damit zählen auch nur diese zur Familie. Sie kennen nicht einmal alle Arbeiter und scheuen förmlich den Kontakt zu Dorfbewohnern und des­halb sehen sie Dorfbewohner nicht gerne in der Kommunität.
2. Dann gibt es Brüder, die natürlich für ihre Mitbrüder da sind und auch für ihr weiteres Umfeld, wie Arbeit­nehmer. Sie respektieren ihre Mühen und helfen ihnen immer wieder bei Problemen und verzeihen auch Fehler. Alle zusammen werden als Großfami­lie gesehen und den Kern bilden die Mitbrüder. Doch andere Dorfbe­wohner sind nicht gerne gesehen.
3. Zuletzt gibt es noch Brüder, die sich neben der Anliegen der Mitbrüder und Arbeiter auch noch um Dorf­bewohner kümmern. Sie bieten immer wieder Kurse oder Projekte mit dem Ziel Hilfe zur Selbsthilfe an. Sie bringen dann Dorfbewohner zum Beispiel Backen oder Nähen bei und geben ihnen die Möglichkeit einen Ofen oder Nähmaschinen zu nutzen. Außerdem wurde einem Schreiner geholfen, der bei den Brüdern in der Werkstatt arbeiten durfte. Somit wurde effizientere und schnellere Arbeit für ihn möglich und er konnte gleichzeitig noch neue Fähigkeiten er­lernen, da er mit neuen Werkzeugen arbeiten konnte. Diese Leute die als Teil der Familie zu sehen ginge zu weit, aber die Brüder gehen auf sie zu oder zeigen sich offen und verständ­nisvoll, wenn jemand Unbekannter mit einem Anliegen zu ihnen kommt.

In der Weise Mariens
Das bedeutet für mich Nächstenliebe und die Verbindung der Werte Präsenz, Liebe zur Arbeit, Familiensinn und Einfachheit.
Jeder Bruder kennt und bekennt sich vermutlich auch zu diesen Werten, aber jeder hat seinen eigenen Geltungsbereich für diese Werte. Wie schon dargestellt, gelten sie für den Einen im Leben mit anderen Brüdern und vielleicht auch Gästen, für den Anderen dann auch noch für Arbeiter und Freunde und für den nächsten gelten diese Werte für alle Men­schen. Dass die Werte bei manchen Brü­dern nur einen bestimmten Geltungsbereich haben, musste ich auch immer wieder in Dis­kussionen feststellen, wenn es um Hilfsbereit­schaft und Unterstützung ging. Dies war und ist für mich unverständlich, da es für mich nur eine Nächstenliebe gibt, eine BEDINGUNGSLOSE.
„Um ein Kind gut zu erziehen, muss man es lieben, und zwar alle gleich.“
Dieser Satz stammt von Marcellin Champagnat und er möchte damit klar machen, dass gute Erziehung und Bildung nur gewaltfrei möglich ist. Im meiner Stelle musste ich allerdings er­fahren, dass dieser Spruch nur ein Spruch ist und nicht in die Tat umgesetzt wird. An der Masonga Marist Secondary School gibt es die Prügelstrafe. Beispielsweise bestrafte ein Bruder alle Schüler, die eine Zwischenprüfung zu Schuljahresbeginn nicht bestanden hatten, mit drei Stockschlägen auf den Hintern. Dieser Moment war für mich persönlich ziemlich schwierig und belastend. Allerdings konnte ich daraufhin auch nie den Mut aufbringen, nach­zufragen, wie man als Maristenbruder, deren Gründer ein absoluter Gegner der Prügelstrafe ist, Kinder schlagen kann.

 
 
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